Die Prinzen bei einer ihrer letzten Generalversammlungen
in der „Biblioteca Culinaria“ des Hauses Rossini.

Geschichte

Die Entstehung des Prinzenclubs – das Jahr 1958 in Düsseldorf

Viel los in der Welt

Das Gründungsjahr des Prinzenclubs

von Gisela Rudolph


Quelle: Stadtarchiv Düsseldorf
Fotograf: Dolf Siebert, 1958.
Blick von den Oberkasseler
Rheinwiesen auf die Rheinfront
der Altstadt.

Charles de Gaulle wurde Ministerpräsident Frankreichs und der neue Regierungschef der Sowjetunion hieß Chruschtschow. Die USA schickte ihren ersten Satelliten in den Weltraum und in Los Angeles starb der Schriftsteller Lion Feuchtwanger.

Viel los war im Jahre 1958 auch in Düsseldorf. Der 300. Geburtstag Jan Wellems wurde mit einer Festwoche gefeiert, die Chirurgische Abteilung des Evangelischen Krankenhauses bekam mit Dr. Werner Forßmann einen Nobelpreisträger zum Chef, für den Messe-Hit DRUPA wird erstmals die neue 20.000 Quadratmeter große Ausstellungshalle F benutzt und der legendäre Alfredo Erede wurde Generalmusikdirektor der Rheinoper. Die CDU gewann die Landtagswahlen, die jüdische Synagoge in der Mauerstraße wurde eingeweiht und im noblen Parkhotel trafen sich sechs Herren.


Quelle: Stadtarchiv Düsseldorf
Fotograf: Dolf Siebert, 1958.
Prinzenpaar Addi I. und Inge
Troost bei der Prinzenkürung.

Die Ex-Prinzen Kurt Schüring, Addi Trost, Paul Hannemann, Franz Krampe, Erich Paefgen und Hans Leimbach waren zu einem großen Vorhaben zusammengekommen – nämlich den ehemaligen Narrenregenten eine würdige Heimat innerhalb des Düsseldorfer Jeckentums zu geben. Keine Geringschätzung der Prinzengarden war dies. Doch wer einmal ein stolzer Prinz im Karneval war, soll sich schließlich auch im wirklichen Leben unter seinesgleichen bewegen dürfen. Außerdem hatten es wieder mal die Kölner längst vorgemacht. Schon lange gab es in der Domstadt die Traditionsgemeinschaft der Dreigestirne – mit einem blauen Zylinder als tollitärem Markenzeichen. Im „vereinsbildenden Vorgespräch“, wie das Treffen 1958 in den Prinzenclub-Annalen genannt wird, waren sich die sechs Herren einig, dass ein simpler Verein keine angemessene Organisationsform für den künftigen elitären Mitgliederkreis sei. Bis die Welt nobel zu Grunde geht, sollte ‚noblesse oblige’ Wahlspruch des erlauchten Kreises sein – ähnlich den britischen Clubs, zu denen gehört, wer was auf sich hält. So wurde der „Club der Prinzen“ gegründet, der später etwas flüssiger in „Prinzenclub“ umgetauft wurde. Flüssiges musste her, wollte man ein zünftig-tollitäres Clubleben auf die Beine stellen. Ob es wohl eine Runde Schampus gab, als Paul Hannemann und Addi Trost mit je 500 Mark aus eigener Tasche das Gründungskapital der Clubkasse stellten? Denn viel gab’s zu tun: Briefbögen mussten her, die Mützen waren in Auftrag zu geben und eigene Veranstaltungen sollte es auch geben. Eine zwar schmucke, dennoch närrische Kappe sollte den hohen Jecken-Status der Club-Prinzen unübersehbar machen. Peter Schramm ließ bei der damaligen Fahnenfabrik in der Benrather Straße die prächtigen goldfarbenen Mützen fertigen, die bis heute die Zugehörigkeit zum Club signalisieren.


Quelle: Stadtarchiv Düsseldorf
Fotograf: Unbekannt, 17.02.1958.
Germanengruppe im Rosenmon-
tagszug „Jan Wellem und seine
Söhne“ am Corneliusplatz.

Schramm wurde dann auch bei der offiziellen Gründung, von der es leider keine Urkunde mehr gibt, Geschäftsführer des Clubs der Prinzen, der 1959 im Karnevalsausschuss, dem heutigen Comitee Düsseldorfer Carneval, aufgenommen wurde. Zu ihrer ersten Veranstaltung luden die stolzen Ex-Prinzen 1963 in den Zweibrücker Hof an der Kö. Ob dies bereits als „Prinzenball“ über die Bühne ging, wissen selbst Düsseldorfs jecke Ikonen nicht mehr. Der Prinzenclub, der heute 28 Ex-Prinzen und acht Ehrenmitglieder zählt, ist Garant für ebenso jecke wie feine Feste im Karneval. In großer Gala geht's ins Hilton zum Prinzenball, bei dem die Prinzen in Frack und Narrenkappe Lackschuhkarneval von seiner besten Seite zeigen. Toll treiben es dafür Buben und Mädel aller Jahrgänge beim Böse Buben Ball in allen Sälen der Rheinterrasse.


Quelle: Stadtarchiv Düsseldorf
Fotograf: Dolf Siebert, 1958.
Café-Terrasse der Konditorei
Bittner, Königsallee 44.

Das Clubleben ist nicht minder abwechslungsreich. Alle zwei Monate ruft der Vorstand, gegenwärtig Jobsi Driessen als Chef, Dr. Rüdiger Dohmann als Vize und Wolfgang Kral als Schatzmeister, die Mitglieder zum „jour fixe“ zusammen. „Der offizielle Teil mit Beschlüssen und Veranstaltungsplanungen ist schnell abgehandelt“, sagt Jobsi. Denn zur Tagesordnung gehört das feucht-fröhliche Beisammensein. Schließlich handelt es sich um einen jecken Club, zu dessen oberster Maxime „Spaß an der Freud“ gehört. Den gibt’s reichlich, so sind sich alle Mitglieder einig.

Kein Wunder, dass gemunkelt wird, manch einer würde sich eigentlich wegen der Mitgliedschaft im Prinzenclub um den Narrenthron bewerben. Gern greift das neue Mitglied tief in die Tasche, um ein prinzliches Mahl auf den Tisch zu bringen. Das gehört nämlich zum Aufnahmeritus der „Frischlinge“ im Club. Zwar keine närrisch gekrönten Häupter, dafür Führungskräfte aus Wirtschaft, Sport, Politik bilden den Kreis der handverlesenen Club-Zugehörigen honoris causa. Und buchstäblich eine besondere Ehre ist es für jeden, dem die Ehrenmitgliedschaft im Prinzenclub angetragen wird. Denn wer drin ist, ist in!

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Vorstand

Präsident
Jobsi Driessen

Vizepräsident
Dr. Rüdiger Dohmann

Schatzmeister
Wolfgang Kral


Der Prinzenclub mit Damen in den 70er Jahren
im Breidenbacher Hof.
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Mitglieder

Prinz 2010 Dirk Kemmer
Prinz 2009 Lothar Hörning
Prinz 2008 Josef Hinkel
Prinz 2007 Dr. Udo Heinrich
Prinz 2006 Dr. Kay Adam
Prinz 2005 Peter Sökefeld
Prinz 2004 Dr. Rüdiger Dohmann
Prinz 2003 Wolfgang Kral
Prinz 2002 Stefan Kleinehr
Prinz 2001 Peter König
Prinz 1999 Thomas Merz
Prinz 1998 Bernd Henkel
Prinz 1997 Christian Feldbinder
Prinz 1993 Hermann Schmitz
Prinz 1990 Jürgen Kieruj
Prinz 1989 Peter Kreutzer
Prinz 1988 Karl-Josef Hinkel
Prinz 1986 Harald Müller
Prinz 1985 Rudi Höhe
Prinz 1984 Dr. Jörg Weck
Prinz 1982 Hans-Joachim Driessen
Prinz 1978 Engelbert Oxenfort
Prinz 1974 Manfred Hildemann
Prinz 1973 Peter Thorwirth
Prinz 1972 Werner Rott
Prinz 1968 Helmer Raitz v. Frentz
Prinz 1966 Werner Faßbender
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Ehren-
mitglieder

seit 2009 Joachim Hunold
Aufsichtsratsmitglied, airberlin
seit 2008 Dirk Elbers
Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf
seit 2008 Klaus-Peter Müller
Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank AG
seit 2007 Wolfgang Niersbach
Generalsekretär Deutscher Fußball-Bund
seit 2004 Werner M. Dornscheidt
Vorsitzender der Geschäftsführung, Messe Düsseldorf
seit 2000 Wolfgang Kostka
Mitglied der Geschäftsleitung der Siemens AG a. D., Düsseldorf
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Unvergessen

Niemals geht man so ganz…

In der Erinnerung
– mit Rührung und Wehmut, mit Heiterkeit und Lachen –
stehen sie uns leibhaftig vor Augen.

Unvergessen sind jene Zugehörige des Prinzenclubs,
die den Club selbst ebenso wie den Karneval
und damit ein Stück Düsseldorfer Geschichte mitgeprägt haben.



In unseren Gedanken und Herzen leben sie weiter
– niemals geht man so ganz.


Günther Keime

Josef Kürten

Joachim Erwin

Rolf Sauer

Klaus Bungert

Peter Müller

Theo Schröder

Günther Pagalies

Willy Comp

Wolfgang Schackow

Franz Ketzer

Heinz Hornung

Klaus Hackmann

Gottfried Rohrbach

Hubert Schlupp

Fritz Hildemann
 
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Orden

Der Prinzenorden ist im Karneval etwas ganz Besonderes. Er wird eigens für den Prinzen und das Sessionsmotto des jeweiligen Jahres entworfen, in dem er vergeben wird.

Er wird als Rarität gehandelt, da er nur in limitierter Auflage von wenigen Stück produziert und nur an ausgewählte Persönlichkeiten verliehen wird, als Belohnung für ihr Engagement in der närrischen Zeit.


Hier eine Übersicht über die Orden der Karnevalsprinzen.

1949 - Kurt Schüring

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Lied der Prinzen

Die Prinzenhymne

Die Tollitäten zeigen Stimme

von Gisela Rudolph

Was königlichen Hoheiten recht ist, ist deren tollitären Kollegen mehr als billig. Doch während sich die amtierende Königin Elisabeth mit stoisch-würdiger Miene begnügen muss, wenn „God save the Queen“ erklingt, schmettern die Ex-Prinzen quietschvergnügt aus vollem Halse ihre Hymne „Ach wär’ ich nur ein einzig Mal ein stolzer Prinz im Karneval“.

Peter König hatte seinem närrischen Regime 2001 mit der CD „Mein Herz schlägt für Düsseldorf“ auch ein musikalisches Motto im schunkelseligen Dreivierteltakt gegeben und bei seinem jecken Hit „Wann wird ein Bettler zum König“ sekundierten ihm einige Ex-Prinzen. Da könnten die einstigen Tollitäten doch mal insgesamt Stimme zeigen und dies auf einer eigenen CD verewigen, dachte man sich. Düsseldorfs Kult-Produzent Achim Wolf, der auch Peters närrische CD aufgenommen hatte, stellte sein „Know-how“ mitsamt Studio zur Verfügung, die Prinzen und Ehrenmitglieder des Clubs wurden zusammen getrommelt und im Sommer 2003 ging’s los.

Ziemlich jeck war der Aufnahmeort. In einer Sauna nämlich wurde musikalisch Dampf abgelassen. „Da kamen die stolzen Prinzen auch ohne 90 Grad ganz schön ins Schwitzen“, amüsiert sich Achim Wolf. Drei Tage lang ging’s hoch her, wenn sich jeweils drei der Club-Mitglieder trafen. Problemlos meisterten die jecken Sänger die Arbeit vor dem Mikro. „Man merkte, dass alle Bühnenerfahrung haben“, lobt Profi Wolf. Nach Stimmstärke und sängerischer Erfahrung stellte er die Gruppen für die Aufnahmen zusammen.

Als besonders sichere Sänger mit markantem Timbre hat Wolf Rudi Höhe, Günther Pagalies und Engelbert Oxenfort in Erinnerung. CD-Initiator Christian Feldbinder war mit seinem geschmeidigen Bariton sogar für die Soli zwischen dem Refrain der Prinzenhymne gut. Manfred Hildemann hingegen zeigte mehr Takt- und Rhythmusgefühl als Stimmkraft und man war sich schnell einig: „Sprich lieber, anstatt zu singen!“ So wurde er zum fetzigen Prinzen-Rapper der Hymne mit „Frauenherzen schlagen überall für den Prinz im Karneval“.

Eine Extrawurst wurde Ehren-OB Klaus Bungert und seinem amtierenden Kollegen Joachim Erwin gebraten. Schlagzeilen machte damals nämlich der Disput um den Verkauf der Stadtwerke – unmöglich, die beiden Streithähne gemeinsam vors Mikro zu stellen. Was gar nicht nötig gewesen wäre: Wer gemeinsam streite, könne auch gemeinsam singen, erklärten die beiden hinterher einmütig.

An den Studiotagen kam zur Stimme die Stimmung der insgesamt 32 Choristen. „Jeder Take wurde fast zu einer kleinen Fete“, erzählt Achim Wolf. Füchschen-Alt spendierte Peter König, Schnittchen und Kuchen Achims Frau.

Der Prinzenball 2004 war das angemessene Debüt für die CD. „Ein tolles Bild“, schwärmt Achim Wolf noch heute, sei es gewesen als die Prinzen aufmarschierten – natürlich geleitet von der Prinzen-Fanfare, extra komponiert von Stefan Kleinehr und gespielt von seinen Swinging Fanfares. Der tollitäre Marsch ist häufig Auftakt des jährlichen Prinzenballs beim festlichen Einzug der Tollitäten im Frack.

Klicken Sie auf die Noten, um sich eines der Lieder anzuhören.

Fanfare der Prinzen

(Musik: Stefan Kleinehr; WOWO-Musikverlag)

Die Prinzenhymne

(Text und Musik: Klaus Relizaeus; WOWO-Musikverlag)

Ach wär' ich nur...

(Trad. Version; Original: "Der schmucke Prinz",
Musik: Fritz Weber / Text: Rudi Lind; Verlag: Minerva Music)

Ach wä' ich nur... (Remix)

(Moderne Version; Original: "Der schmucke Prinz",
Musik: Fritz Weber / Text: Rudi Lind; Verlag: Minerva Music)

Das Prinzenclub-Stimmungs-Medley

1. Auf der Kö
(Musik: Peter Gathmann / Text: Walter Loose; Theo-Kunz-Musikverlag)

2. Zwischen Schlossturm und Lambätes
(Text und Musik: J. Rees, H. Heuser, H. Heinrichs; MSPT)

3. Die Prinzenhymne
(Text und Musik: Klaus Relizaeus; WOWO-Musikverlag)

4. Am alten Schlossturm
(Musik: Leo Hedler / Text: Hans Reichert; Verlag: Fr. Suppan)

5. D´r Prinzen vom Rhing
(Original: "D´r Könije vom Rhing", Text und Musik: Klaus Relizaeus;
WOWO-Musikverlag)

6. Im Rheinland geboren
(Text und Musik: Josef Ferdinand Duennwald; WOWO-Musikverlag)

7. So ein Tag
(Musik: Lothar Olias / Text: Walter Rothenburg;
Tempoton-Verlag Hans Sikorski Gmbh & Co.)

Arrangiert & produziert: Achim Wolf, aufgenommen im Wolf-Tonstudio
Mastering: C. Zimmerli, Galaxy-Studios (Belgien)

Mitwirkende:
Klaus Bungert, Willi Buschhausen, Hans-Joachim Driessen, Joachim Erwin, Werner Faßbender, Christian Feldbinder, Bernd Henkel, Manfred Hildemann, Karl-Josef Hinkel, Rudi Höhe, Günther Keime, Jürgen Kieruj, Stefan Kleinehr, Peter König, Wolfgang Kostka, Wolfgang Kral, Peter Kreutzer, Günther Lange, Thomas Merz, Harald Müller, Peter Müller, Engelbert Oxenfort, Günther Pagalies, Helmer Raitz v. Frentz, Werner Rott, Rudolf Sauer, Hermann Schmitz, Theo Schröder, Peter Thorwirth, Dr. Jörg Weck, Harry Wegewitz, Walter Windisch

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